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07.02.2017 14:48 Alter: 2 yrs

HEBAMMENinfo 1/2017

Mitte Februar erscheint die erste Ausgabe des HEBAMMENinfo im Jahr 2017. Das Thema des aktuellen Heftes ist "Ernährung".


Liebe Mitgliedsfrauen, MitstreiterInnen und Interessierte,

man könnte glauben, wir hätten es mit einer Art Winterschlaf in Sachen Hebammenangelegenheiten zu tun. Irgendwie rührt sich nichts – weder kommen die anstehenden gerichtlichen Verfahren in Sachen Ausschlusskriterien voran noch sehen wir irgendwo grundsätzliche Bewegung in Sachen Haftpflicht. Auch sonst scheint Stillstand das richtige Wort zur Beschreibung der Situation zu sein. Auf politischer Ebene herrscht wegen der anstehenden Bundestagswahl völlige Ruhe, denn niemand wird so kurz vor der Wahl schwierige Projekte wie z.B. eine wie auch immer geartete Verstaatlichung der Haftpflichtproblematik der Gesundheitsberufe angehen. Bedauerlich. Wir haben den Sicherstellungszuschlag stets als das verstanden, als was er initiiert wurde – nämlich als vorläufige Lösung, nicht als Dauerzustand. Immerhin hören wir deutlich mehr Zuversicht unter den  geburtshilflich tätigen Kolleginnen, denn die enormen Versicherungssummen werden durch den SiZu bewältigbar. Trotzdem: Das kann und darf nicht so bleiben, denn es ist ein Freibrief für die Versicherer, völlig ungeachtet aller hervorragenden Schadensstatistiken ihre Prämien zu erhöhen. Wir denken voraus und werden dafür arbeiten, dass unsere Themen anlässlich der Bundestagswahl wieder politisch aktiviert werden. Für die grundsätzliche Erhöhung der Entgelte sitzen wir seit geraumer Zeit intensiv am Verhandlungstisch und hoffen, hier noch vor der Wahl entweder zu einem Abschluss oder aber zum Schiedsstellengang zu kommen. Länger warten wollen und können wir nicht.

Inzwischen wird der Hebammenmangel immer größer. Aus lauter Verzweiflung gründen große Kliniken, die bisher ihren Bedarf auf dem freien Arbeitsmarkt deckten, eigene Hebammenschulen und hoffen, die jungen Kolleginnen nach der Ausbildung zum Bleiben überreden zu können. Das ist grundsätzlich keine schlechte Idee. Nur: Solange die Entgelte auch der angestellten Kolleginnen nicht signifikant erhöht werden und die Arbeitsbedingungen sich nicht verbessern, wird niemand sich unter den herrschenden Umständen – Personalmangel, interventionsreiche Geburtshilfe, steigende Sectiorate – dazu entschließen.

Der Mangel an ambulanter Hebammenbetreuung mit und ohne Geburtshilfe erreicht in manchen Gegenden über 50 %. Und – statt dem Grundübel der zu geringen Bezahlung abzuhelfen, gründet man Wochenbettambulanzen in den Kliniken, sägt damit am Existenzast der verbliebenen Freiberuflerinnen und wirft den Hebammenverbänden zu guter Letzt vor, sie hätten den Beruf schlechtgeredet
und seien daher schuld an den Zuständen.

Das ist eine grobe Verdrehung der Fakten, denn die Verbände warnen seit JAHREN vor genau der Entwicklung, die wir nun sehen. Wir können nur hoffen, dass  ebendiese Zustände irgendwann so entgleisen, dass die eigentlich Betroffenen – die werdenden Mütter und Väter – sich massiv empören. Vielleicht muss ja auch erst ein Unglück geschehen, damit sich etwas rührt. Wenn Perinatalzentren der Stufe 1 Dienste mit einem Assistenzarzt und einer werdenden Hebamme (!) besetzen, Hebammendienste an Honorarärzte vergeben wollen/müssen, und wenn immer mehr Kliniken den Kreißsaal wegen Personalmangel zeitweilig oder dauerhaft schließen müssen, dürfte das leider nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Winterschlaf? Nicht wirklich. Eher ein Fluss mit Eisschicht an der Oberfläche, aber reißender Strömung darunter. Ein baldiges und schönes Frühjahr in jeder Hinsicht wünschen

die Vorstandsfrauen

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36 Seiten mit interessanten Beiträgen machen das Heft zu einer Pflichtlektüre für alle freiberuflichen Hebammen.

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